
Mit Frauenpower in die Zukunft
Das Museum in Bückeburg, dessen Träger der Schaumburg-Lippische Heimatverein
ist, hat seit Januar eine Museumsleiterin. Zum ersten Mal in der langen
Museumsgeschichte kommt nun professionelles Museumsmanagement zum Einsatz, um
die Problembereiche des Hauses zu bearbeiten. Keine leichte Aufgabe für Dr.
Anke Twachtmann-Schlichter, die sich zunächst mit einer halben Stelle, auf den
Weg begibt, das Haus zu modernisieren und zukunftsfähig zu machen. Mit einem
Interview stellen wir die Museumsleiterin vor.
Frau Twachtmann-Schlichter, Sie haben die Leitung des Landesmuseums
übernommen.
Was reizt Sie an der Aufgabe, das
Haus grundlegend zu modernisieren, zumal die finanziellen Mittel zur Zeit noch fehlen?
Bei so einer großen Sache mitzuarbeiten, mitzugestalten, ist doch reizvoll!?
Museen können heutzutage ganz tolle und außergewöhnliche Orte der Begegnung und
des Lernens sein. Es reizt mich, mit meinen Ideen das vorhandene Konzept weiter
zu entwickeln, es umzusetzen und dann zu sehen, dass Geldgeber, Förderer und
schließlich auch das Publikum vom Ergebnis begeistert sind. Museen sind nicht
nur nach Rückwärts gewandt. Im Gegenteil: mit dem Wissen um vergangene
Entwicklungen, mit den Anregungen, die man aus historischen Kenntnissen gewinnen
kann, werden sie auch zu Zukunftswerkstätten. Ich glaube das ist von Alexander
von Humboldt: Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.
Mit welchen fachlichen Qualifikationen und beruflichen Erfahrungen gehen Sie
an diese Aufgabe?
Ich habe Kunstgeschichte, Geschichte und Pädagogik studiert in Münster. Mein
Schwerpunkt war die Baugeschichte im Zusammenhang mit den zeitgeschichtlichen
Aspekten von Politik und Gesellschaft. Meine Doktorarbeit habe ich geschrieben
zum Thema „Ausmalung der romanischen Kirchen in Köln im 19. Jahrhundert“.
Berufserfahrung konnte ich dann in verschiedenen Museen sammeln, aber auch auf
der Behördenseite – im Rahmen eines Volontariates beim Niedersächsischen
Landesamt für Denkmalpflege in Hannover. Aus dieser und auch aus anderen
Richtungen hatte ich damals übrigens schon das Schaumburger Land im Blick. Ein
Beitrag von mir über die kunstgeschichtlichen Highlights befindet sich im
„Kulturpfad Schaumburg“, den die Schaumburger Landschaft als Reiseführer
herausgegeben hat. Im Museum in Nienburg, wo ich bislang tätig war, hatte ich
Aufgaben im pädagogischen Bereich. Außerdem war ich dort zuständig für die
Neukonzeption des Niedersächsischen Spargelmuseums. Ein Besuch dort lohnt sich!
Nach 8 Wochen kennen Sie das Museum nun ein wenig. Welche
Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für die nähere Zukunft? Gibt es schon
konkrete Pläne?
Auch wenn das große Geld für die Umgestaltung des Museums noch nicht in
Sicht ist, lassen sich schon kleine Schritte in die richtige Richtung tun. Die
Überarbeitung der bestehenden Ausstellung, eine Verbesserung der
Exponatbeschriftung – das sind Möglichkeiten, jetzt schon – Stück für Stück –
etwas für das Publikum zu tun. Ich
denke auch an die Präsentation von Objekten aus dem Magazin. Da sind so viele
interessante Sachen, die noch nie ausgestellt waren. Man könnte sie im Wechsel
zeigen. Durch Spenden, die es ja zum Glück hier ab und zu gibt, lassen sich
Projekte in Angriff nehmen, die für die Modernisierung des Hauses ganz wichtig
sind und die schon weit in die Zukunft weisen. Ich denke da an die große Spende
des Lions-Clubs aus seiner Weihnachts-Aktion. Die
können wir nutzen um unsere EDV-Grundlagen so zu modernisieren und zu
vernetzen, dass sie auch in ein umgebautes, erneuertes Museum passen könnten.
Mit diesen neuen EDV-Möglichkeiten gehen wir als erstes an die Inventarisierung
der großen Trachtensammlung. Das ist ein großes und wichtiges Projekt, nicht
nur für dieses Museum. Also auch mit den Möglichkeiten, die jetzt vorhanden
sind, lassen sich schon gute Dinge tun.
Bückeburg ist nicht gerade arm an kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten. Wie
wollen Sie das Museum positionieren, damit es für die Öffentlichkeit wieder
bemerkbar wird?
Ein Museum, das sich mit Stadtgeschichte und Landesgeschichte beschäftigt,
müsste in so einer Kulturstadt wie Bückeburg immer eine wichtige Stellung
einnehmen. Aber es muss auch deutlich als Museum arbeiten und sein Potential
entfalten, dann wird es auch wahrgenommen und geschätzt. Wir werden das
pädagogische Angebot ausweiten und die Kontakte zu Schulen und Kindergärten
pflegen und intensivieren. Geplant sind auch kleine Sonderausstellungen und
kulturelle Veranstaltungen, die das Museum als unterhaltsamen Ort präsentieren
sollen. Dafür ist eine bessere Öffentlichkeitsarbeit nötig. Wir werden die
Leute auch über die geplanten Veränderungen informieren und sie in die
Entwicklungen einbeziehen. Dazu gehört auch die jetzt angelaufene kostenlose
Öffnung des Museums anlässlich der 400-Jahr-Feier der Stadt. Die Leute sollen
nicht nur einmal das Museum besuchen, sondern öfter mal vorbei kommen – mal
kurz reinschauen auf ihrem Sonntags-Stadtbummel, um zu sehen, was es Neues
gibt. Das ist uns wichtiger zur Zeit als das
Eintrittsgeld. So lernt man sich kennen, so wird Verständnis geschaffen. Und so
wächst das Haus langsam wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein hinein.
Welche Hilfen bei der Modernisierung könnten Sie sich vorstellen? Was
wünschen Sie sich von der Stadt? Von den Bückeburgern?
Wenn aus dem Museum etwas wirklich Modernes und Attraktives werden soll, dann
geht das gar nicht anders als durch stärkeres kommunales Engagement. Damit ist
natürlich finanzielle Unterstützung gemeint. Ein Museum ist immer ein
Zuschussbetrieb – oder positiv formuliert: eine Einrichtung, die sich eine
bildungs-orientierte, kulturell interessierte Gesellschaft gönnt. Der
Heimatverein allein kann das nicht leisten. Daneben kann auch jeder Einzelne
seinen Beitrag leisten, nicht nur, indem er der
Sammlung Museumsgut zuführt oder für einen bestimmten Zweck Geld spendet,
sondern z.B. durch ehrenamtliches Engagement. Wir haben jetzt schon viele
Ehrenamtliche auf unterschiedlichen Gebieten im Einsatz, vor allem aber auch im
Öffnungsdienst. Ohne sie würden wir das Haus in dieser Saison gar nicht betreiben
können. Diesen Einsatz schätzen wir sehr hoch! Und in Zukunft werden weitere
Arbeitsfelder entstehen, wo Ehrenamtliche ihre Kenntnisse und Fertigkeiten in
die Museumsarbeit einbringen können.
Sie haben zuvor in Nienburg gearbeitet und leben auch dort. Was sagt Ihre
Familie zum neuen Job?
Mein Mann und meine beiden Töchter freuen sich für mich, dass ich diesen
interessanten Job bekommen habe. Die halbe Stelle erfordert zwar doch einen
etwas höheren Einsatz, aber weil jeder bei uns mit seinen Aufgaben und
Verpflichtungen gut beschäftigt ist, werde ich zu Hause nicht vermisst. Die
tägliche Fahrt von Nienburg nach Bückeburg ist für mich auch keine Belastung,
die kann ich ganz gut nutzen – zum Abschalten, oder auch zum Nachdenken – je
nachdem...
Schönen Dank für die Auskünfte. Wir wünschen Ihnen ein gutes Gelingen und
viel Freude bei der Arbeit im Museum.
Wie und wann sind Sie dort zu
erreichen?
Meine Kernzeit im Museum ist Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr. Ich kann
mich aber auch auf andere Termine einstellen. Und auch kurzfristig
Verabredungen sind möglich. Am besten vorher anrufen unter: 05722 / 4868.